Team von One Way Ticket
Es gibt inzwischen so viele Visa für Remote-Arbeit, dass schon die Auswahl eine eigene Aufgabe ist: Mehr als 60 Länder bieten eigene Programme für digitale Nomaden an. Wir haben die 12 gefragtesten Ziele 2025 nach vier Kriterien verglichen, die die Entscheidung tatsächlich beeinflussen: Mindesteinkommen, Visadauer, Steuerregime und die Frage, ob das Visum zu einem dauerhaften Status führt.
Südeuropa: teurer, aber mit Weg zum Pass
Spanien und Portugal führen aus einem einfachen Grund: Die Zeit mit dem Nomadenvisum zählt für den Daueraufenthalt und die Einbürgerung. Aus einem „Visum für ein Jahr“ wird so eine echte Auswanderungsstrategie.
- •Spanien: Einkommen ab 2.762 € pro Monat (200 % des Mindestlohns), Visum für 1 Jahr → Aufenthaltstitel für 3 Jahre, 24 % Steuer im Beckham-Regime für angestellte Remote-Arbeiter
- •Portugal (D8): Einkommen ab 3.480 € pro Monat (4 Mindestlöhne à 870 € im Jahr 2025; 2026 ≈3.680 €), Visum für 4 Monate → Aufenthaltstitel für 2 Jahre, Staatsbürgerschaft nach 10 Jahren (seit 19. Mai 2026)
- •Italien: ab ~28.000 € pro Jahr, Programm seit April 2024, nur für hochqualifizierte Fachkräfte, Aufenthaltstitel für 1 Jahr mit Verlängerung
- •Griechenland: Einkommen ab 3.500 € pro Monat (+20 % für den Ehepartner, +15 % pro Kind), Visum für 1 Jahr → Aufenthaltstitel für 2 Jahre, 50 % Nachlass bei der Einkommensteuer bei Verlegung der steuerlichen Ansässigkeit
- •Kroatien: Einkommen ~3.300 € pro Monat, seit 2025 wird der Status für bis zu 18 Monate erteilt, Auslandseinkünfte sind vor Ort steuerfrei – die Zeit zählt aber nicht für den Daueraufenthalt
Osteuropa und Kaukasus: günstiger Einstieg
- •Ungarn (White Card): Einkommen ab 3.000 € pro Monat, Visum für 1+1 Jahr, schnelle Bearbeitung – die Familie darf aber nicht mitkommen
- •Estland: Einkommen ab 4.500 € pro Monat, Visum bis zu 1 Jahr ohne Weg zum Daueraufenthalt; dafür ideal kombinierbar mit e-Residency zur Führung eines europäischen Unternehmens
- •Georgien: gar kein Visum nötig – 365 Tage visafreier Aufenthalt, und der Status als Kleinunternehmer mit 1 % Steuer auf den Umsatz bis ~155.000 $ pro Jahr ist in wenigen Tagen eingerichtet
Asien und Naher Osten: Steueroasen
- •VAE (Virtual Working Programme): Einkommen ab 3.500 $ pro Monat, Visum für 1 Jahr mit Verlängerung, Einkommensteuer 0 %
- •Thailand (DTV): statt eines Einkommensnachweises 500.000 Baht (~14.000 $) auf dem Konto, Mehrfachvisum für 5 Jahre mit bis zu 180 Tagen Aufenthalt pro Einreise (+ Verlängerung um weitere 180)
- •Japan: Einkommen ab 10 Mio. ¥ pro Jahr (~68.000 $), Visum für 6 Monate ohne Verlängerung – zum Ausprobieren, nicht zum Auswandern
Das im Juli 2024 gestartete thailändische DTV ist das meistdiskutierte Programm des Segments: fünf Jahre Mehrfacheinreise für eine Gebühr von 10.000 Baht – beispiellos günstig. Der Haken: Das DTV führt weder zum Daueraufenthalt noch zu frei wählbarer steuerlicher Ansässigkeit. Wer mehr als 180 Tage im Jahr in Thailand lebt, wird automatisch dort steuerpflichtig.
Lateinamerika
- •Costa Rica: Einkommen ab 3.000 $ pro Monat (4.000 $ für Familien), Visum für 1+1 Jahr, Auslandseinkünfte sind von der lokalen Steuer befreit
💡 Die wichtigste Steuerregel für Nomaden: 183 Tage in einem Land machen Sie fast immer dort steuerlich ansässig – unabhängig davon, was im Visum steht. Planen Sie deshalb nicht nur das Visum, sondern auch Ihre Steuerkonstellation. Sonst endet ein „steuerfreies“ Jahr mit Nachforderungen in zwei Ländern gleichzeitig.
„Das Nomadenvisum beantwortet die Frage, wo Sie leben können. Entscheiden sollten Sie aber danach, wo Sie in fünf Jahren stehen wollen: als Einwohner mit EU-Pass oder als Dauertourist mit Koffer.“
Wenn Ihr Ziel ein Pass ist, wählen Sie Spanien oder Portugal. Wenn Sie nach Steuern möglichst viel behalten wollen, die VAE oder Georgien. Wenn Sie Flexibilität ohne Verpflichtungen suchen, Thailand. Und wenn Sie unsicher sind, beginnen Sie mit einer Beratung: Die steuerliche Ansässigkeit rückwirkend zu verlegen, ist deutlich teurer, als sie vorab zu planen.